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1.Bildungsreise der Konditoren-Innung Berlin,
20. bis 23. September 2010 nach Ungarn

Süße Genussvielfalt in Budapest

Wenn die Berliner Konditoren sich auf Bildungsreise begeben, dann kann es nicht irgendein Ziel sein. Nach reiflicher Überlegung, organisierte Obermeister Hartmut Spaethe eine Reise ins schöne Budapest. Um diese möglichst vielfältig zu gestalten und bei den Teilnehmern immer wieder ein Staunen hervorzurufen, nutzte er seine Kontakte zu Konditormeister und  UIPCG – Präsidenten János Pataki. Beide konzipierten eine Reise, die als Start nicht besser hätte sein können.
Erster Erfahrungsaustausch im Caféhaus Gerbeaud Erster Erfahrungsaustausch im Caféhaus Gerbeaud
Gleich am ersten Abend begrüßte Präsident Pataki die 23-köpfige Teilnehmergruppe. Nach einem ersten Kennenlernen und einem kleinen Innenstadtrundgang mit unserem erfahrenen Reiseführer Georg, besuchten wir das legendäre Caféhaus Gerbeaud, welches ein wahrlicher Geheimtipp Budapests ist. Das traditionelle Café am Vörösmarty Platz, zählt zu den ältesten, größten und berühmtesten Konditoreien Europas und wurde im Jahr 1858 von Henrik Kugler gegründet.
Pralinenpräsent in der Auslage Pralinenpräsent in der Auslage
Bald darauf übernahm der berühmte Schweizer Konditor Emil Gerbeaud das Objekt. Dank ihm wurde das ungarische Konditorenhandwerk weit über die europäischen Grenzen bekannt. Die Kuchenkarte mit berühmtesten Spezialitäten, wie die Dobos- und Eszterházy Torten, das Kugler-Mignon oder der Gerbeaud-Schnitte liest sich wie ein Gedicht. Die Originalrezepte garantieren gleichbleibende unvergessliche Geschmackser- lebnisse. Selbstverständlich findet der Gast neben den traditionellen Angeboten auch leichte Süßigkeiten mit Joghurt- und Obstvariationen. Im Sommer wird das umfangreiche Kuchenangebot mit hausge-machtem Eis erweitert. Alles in allem wird dieses Haus dem FAZ-Urteil: „Das Gerbeaud ist die Konditorei mit der schönsten Jugendstil-Einrichtung, den extravagantesten Zuckerbäckereien …“ gerecht.

Bei den über 450 Konditoreien  in und um Budapest fällt es verständlicherweise sehr schwer, eine Auswahl zu finden, die während des Aufenthaltes besichtigt werden. Eines war jedoch bereits zu Beginn der Planung klar, die vielfältigen Standortkonzepte der Konditoren Familie Horvath mussten Berücksichtigung finden. Vor Ort überzeugten wir uns von drei ganz unterschiedlichen Konditoreien, die jeweils von Vater Howarth, Mutter  Howarth und seit neuesten auch von ihrer Tochter, Eszter geführt werden. Die  quirlige Designerin bereichert seit nunmehr fast zweieinhalb Jahren mit ihrem bislang einzigartigen Sugarkonzept Budapest. Direkt über der traditionellen Konditorei ihrer Mutter eröffnete sie ihre erste Filiale. Nach anfänglicher Skepsis bewährte sich ihr „Sugarshop“ Konzept. Die Idee dazu brachte Eszter übrigens aus Japan mit, wo sie circa 6 Monate als Designerin lebte und arbeitete.
Futuristisches Design im „Sugarshop“  Futuristisches Design im „Sugarshop“
Nach nur knapp einem Jahr eröffnete Eszter im Herzen Budapests einen weiteren Laden, der in seiner Konzeption und Ausstattung sich am ersten Ladenkonzept orientiert, jedoch durch die räumlichen Gegebenheiten noch einzig- artiger wurde. Auf circa 200m2 begeistert sie ihre vornehmlich jugendlichen Gäste mit allem was das süße Herz begehrt. Mit ihrem neuen Konditoreikonzept will sie insbesondere die Zielgruppe von 12 – 35 Jahren ansprechen. Bemerkenswert ist, dass sie ihren außergewöhnlichen Stil konsequent bis in die kleinste Ecke des Hauses umsetzt. Selbstverständlich nutzten wir vor Ort die Chance mit dem kreativen Kopf des Hauses, Eszter Howarth ins Gespräch zu kommen.
Ausgefallene Sitzelemente laden zum Verweilen ein. Ausgefallene Sitzelemente laden zum Verweilen ein.
Ihre kleinen, süßen und phantasievoll gestalteten Köstlichkeiten durften dabei gewiss nicht fehlen – ein wahrlicher Genuss. Am Ende stellten wir uns die Frage, haben wir im Hause Howarth vielleicht die Konditorei von Morgen, mit Internetecke, Spielecke und Kinderbetreuung entdeckt. Um diesen Trend nicht zu verpassen, sicherte sich Frau Howarth die Rechte am Konzept – erste Franchiseanfragen liegen bereits vor.

Seit Jahren meistern die Horvaths an ihren drei unterschiedlichen Standorten die wirtschaftlichen Veränderungen. Um auf die Bedürfnisse der Konsumenten vor Ort einzugehen bedarf es Fingerspitzengefühl und ein stetiges Umdenken ohne den Verbraucher aus dem Blick zu verlieren.  So bietet Frau Horvath in ihrem traditionellen Café insbesondere ungarische Spezialitäten an. In der hauseigenen Fertigung produziert sie mit circa 20 Mitarbeitern zahlreiche Tortenkreationen und fertigt weitestgehend die komplette Dessertvielfalt für die drei Standorte. Besonders hervorzuheben ist ihr soziales Engagement.
Auftragsbestellung im Hause Horwarth
Speziell für die Kinder der Angestellten richtete sie über der Backstube einen Betriebskindergarten ein. Die jungen Eltern haben hier die Möglichkeit zu einem geringen Unkostenbeitrag ihre Kinder fachgerecht durch eine ausgebildete Erziehung während der Arbeitszeit betreuen zu lassen. Alternativ steht der Kindergarten auch Gästen für die Zeit ihres Cafébesuches zur  Verfügung.

Vater Horvath produziert mit seinem Konditorenteam in einer hoch modern ausgestatteten Backstube mit hauseigenem Verkauf am Stadtrand von Budapest die gesamten gebackenen Produkte und Halbfabrikate für die unterschiedlichen Läden der Familie Horvath. Dabei verwenden sie weitestgehend traditionell und eigens hergestellte Produkte – die Konservierung von Obst und die Herstellung von Konfitüren sind nur zwei der vielen Beispiele. Ohne jedoch auf die direkte Unterstützung innerhalb der Familie zu verzichten, bewahren die Drei ihre individuellen Stärken und Spezialisierungen in  den doch so unterschiedlichen Ladenkonzepten. Diese Art der Zusammenarbeit innerhalb der Familie ermöglicht es, vielmals kostengünstiger als die Mitbewerber zu agieren. Nach einem kleinen Zwischenstopp bei Herrn Konditormeister C. József mit köstlicher Dobrush- und Mohntorte, führte uns unser vorerst letzter Halt in die Konditorei von Herrn Konditormeister János Pataki. 
Tortenvielfalt bei Hr. Pataki Tortenvielfalt bei Hr. Pataki
Die geschulten deutschen Konditoren waren auch hier von der Vielfalt der Produkte und der Liebe zum Detail beeindruckt. Herr Pataki bestätigte uns, dass neben der Begeisterung am Konditorenhandwerk hochwertige Rohstoffe, Produkte, die seit Jahren direkt in Deutschland, Frankreich und der Schweiz bestellt werden, und regelmäßige Weiterbildungen und Qualifizierungen vor Ort nicht zu Erfahrungsaustausch mit den ungarischen Kollegen unterschätzende Erfolgsfaktoren sind. Um neue Ideen und Trends aufzuspüren bzw. zu erlernen, scheuen sie sich nicht regelmäßig Fachexperten aus Frankreich, Japan und der Schweiz einzuladen.  
Erfahrungsaustausch mit den ungarischen Kollegen Erfahrungsaustausch mit den ungarischen Kollegen
Zum Abschluss unserer Rundreise trafen wir uns zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit den Vorstandskollegen des Ungarischen Konditorenverbands im Restaurant der Konditorei Zila. Konditormeister Lászlo Zila präsentierte uns dabei stolz seine Konditorei und die Besonderheiten seiner Fertigung. Dabei durfte natürlich die neu entwickelte und patentierte Silikon-Kuchenform, die  praktisch,  ökonomisch, hygienisch und trendy ist, nicht fehlen. Durch die Nutzung konnte er sein Sortiment individuell gefüllter Tortenspezialitäten und Dessertvariationen ergänzen. (www.zilatortaforma.hu)

Letztendlich blicken wir auf vier unvergessliche Tage bei unseren ungarischen Kollegen zurück, die uns einen interessanten Einblick in ihre Konditorenkunst ermöglichten. Auch an dieser Stelle bedanken wir uns nochmals ganz herzlich bei den Kollegen vor Ort und insbesondere bei Herrn János Pataki für die unvergessliche Zeit und die ausgesprochen Herzlichkeit. Eines ist für uns sicher, die zuckersüße Genussvielfalt der Konditoreien und Cafés, die durch eine einmalige Stadthistorik ergänzt wird, ist immer wieder eine Reise wert.

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